Akademisches Konfuzius-Institut an der Georg-August-Universität Göttingen

8. Norddeutsches Chinesischlehrertreffen an der Universität Göttingen

Am Samstag, dem 25. November 2017, fand im Zentrum für Lehrerbildung (ZELB) der Universität Göttingen mit Unterstützung des Fachverbands Chinesisch und des Akademischen Konfuzius-Instituts an der Universität Göttingen das 8. Norddeutsche Chinesischlehrertreffen (第八届北德地区中文教师会议) statt.

Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Fachverbands und deutschen Direktors des Akademischen Konfuzius-Instituts Andreas Guder – Professor für Fachdidaktik Chinesisch an der Universität Göttingen – bildete Susanne Schlieper mit ihrem Workshop „Leistungsmessung im Chinesischunterricht“ (汉语课程的成绩评估) den Auftakt der mit 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung. Da Frau Schlieper neben ihrer Tätigkeit als Chinesischlehrerin gleichzeitig Ausbilderin für angehende Gymnasiallehrerinnen und -lehrer am Studienseminar in Göttingen ist, traf ihr praxisorientierter Vortrag besonders bei der anwesenden Gruppe der Lehramtsstudierenden auf große Resonanz. Nach Vorstellung eines an den Vorgaben des Niedersächsischen Kultusministeriums orientierten Kompetenzmusters wurden in Kleingruppen verschiedene Vorschläge zur Evaluation der Leistungen von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe ausgearbeitet und vorgestellt. Als Grundlage dienten hierzu Schultexte aus dem Lehrwerk 同道 Tóngdào.

Im Anschluss an eine vom gegenseitigen Austausch geprägte Mittagspause stellte Biru Shi, erste in Niedersachsen ausgebildete Gymnasiallehrerin für Chinesisch aus Hannover, in ihrem Workshop „Vokabeln durch Spiele lernen (游戏中学生词)“ verschiedene didaktisch wertvolle sowie abwechslungsreiche Spiele vor, mit deren Hilfe man Schülerinnen und Schülern ein gutes Instrument für das Vokabellernen an die Hand geben kann. Weiterhin wurden einige Praxisbeispiele in Form von Tests und Klausuren aus ihrem Schulalltag vorgestellt und hierzu eine lebhafte Diskussion angeregt.
Um die Herausbildung einer „Sinographemkompetenz“ ging es Andreas Guder schwerpunktmäßig in seinem Workshop „Über Schriftzeichenwissen zur Lese- und Schreibkompetenz (从汉字知识到读写能力)“. Aus einer didaktischen Perspektive heraus betrachtet können und sollten Ausführungen zur historischen Entwicklung sowie die gezielte Betrachtung einzelner Komponenten der chinesischen Schriftzeichen für Schülerinnen und Schülern als wichtige – und vor allen Dingen nachhaltige – Basis für spätere Lernprozesse genutzt werden. Anstatt der weit verbreiteten Didaktisierung von Radikalen im ChaF-Unterricht wurde eine konsequente Unterteilung in signifische und phonetische Komponenten vorgeschlagen. Der Workshop wurde durch eine Kleingruppen-Diskussion über „Eselsbrücken“ und „etymographisches Wissen“ für das Erlernen von Schriftzeichen abgerundet.

Nach der Kaffeepause bot Rafael Knolle Einsicht in seinen mit Videoaufnahmen unterstützten Chinesischunterricht an einer Grundschule. Die Teilnehmer konnten sich durch sein Impulsreferat „Interviewprojekt von Schülerinnen und Schülern aus den 4. Klassen im Fach Chinesisch an der Brecht Schule Hamburg (报告:汉堡布莱希特小学四年级汉语学习者的采访项目)“ verschiedene Vorteile des Medieneinsatzes vor Augen führen – wie beispielsweise die Möglichkeit, Videos von im Unterricht simulierten Interviewszenen mit nachträglich eingearbeiteten Aussprachekorrekturen den Schülerinnen und Schülern als Lernhilfe zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wurde eine Auswahl verschiedener medienpädagogischer Lernanwendungen/ -Apps vorgestellt und diskutiert.
Einen besonders lebendigen Programmpunkt der Veranstaltung stellte das Lernmotivationstraining von Uei Chiang-Schreiber aus Kassel dar. Sie präsentierte eine Auswahl dramapädagogischer, mit viel Musik und Bewegung gepaarter Methoden, die das Chinesisch-Lernen sowohl leichter als auch unterhaltsamer gestalten können. In ihrem Workshop „Begeistert Lehren und Lernen mit LONG Neu“ (新版《龙》 教材:趣味教与学) wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann „mit vollem Körpereinsatz“ zum Ausprobieren neuer Unterrichtsmethoden angeregt, was für viele einen zwar durchaus herausfordernden, aber vor allen Dingen sehr gelungenen Abschluss dieser praxisorientierten und durch gegenseitigen Austausch geprägten Tagung darstellte.

Jan Philipp Adomeit