Akademisches Konfuzius-Institut an der Georg-August-Universität Göttingen
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Vortragsreihe „On Stage: Chinesische Oper im Kulturkontakt“ – Prof. Dr. Barbara Mittler, „Young Diva, go East – Operntraditionen in China“

Juli 2, 2018, 18:00 - 20:00

Die Reaktion eines Berlioz auf chinesische Opern, aufgeführt bei der Weltausstellung 1851 in London, war denkbar ungnädig: „Katzenjammer“ sei das gewesen, so schreibt er. Oper jedenfalls sei das nicht, jedenfalls nicht das, was er unter Oper verstehe. In Antwort auf solche Kritik erinnert der französische Sinologe Louis Laloy, dass es ähnliche Reaktionen auch bei Chinesen geben konnte—die auf französische Oper mit der Bemerkung reagierten, dass „wenn man nicht verstehe, man schon das finde, das sei einfach ein bisschen viel Krach.“ Die Geschichte des Austauschs von Opernkunst zwischen China und Europa hatte gerade erst begonnen als Laloy dies schrieb. Genau 100 Jahre später, im Herbst 2010 wird, wieder bei einer Weltausstellung, der Expo in Shanghai, Oper aufgeführt: Richard Wagners Ring, vor begeistertem, chinesischem Publikum. Umgekehrt findet auch die chinesische Oper inzwischen in Europa faszinierte Anhänger.

Dieser Vortrag versucht, den Weg nachzuzeichnen, der zu solchen Neubewertungen führt: In einer Rückschau auf 150 Jahre musikalischem Kontakt zwischen China und Europa frage ich: Wie ist die europäische Oper nach China gelangt und wieso? Welche sozio-politischen und –historischen Umstände haben ihren Weg zum Erfolg behindert oder begünstigt? Welche Konsequenzen hat das für globales Opernerfahren? Diese letzte Frage wird mich schließlich am Ende wieder an den Anfang zurückführen, zu Berlioz und der Frage wie und ob Oper, sei sie chinesisch, französisch, japanisch oder deutsch, überhaupt irgendwann einmal global verständlich sein kann.  Flyer On_Stage_2018

Barbara Mittler studierte in Oxford, Taipei und Heidelberg Sinologie, Musikwissenschaft und Japanisch. 1994 erfolgte die Promotion, vier Jahre später die Habilitation. 2004 wurde sie auf den Heidelberger Lehrstuhl für Moderne Sinologie berufen. Von 2007 bis 2012 war sie Sprecherin einer Sektion des Exzellenzclusters „Asia and Europe in a Global Context“, heute das Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien, zu dessen Co-Direktorin sie 2012 ernannt wurde. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der chinesischen Kunst- und Kultur. 2000 wurde sie für ihre Arbeiten mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet, 2009 mit dem Henry Allen Moe Prize in the Humanities, 2013 mit dem John K. Fairbank Prize.

Veranstaltungsort

Theologicum Raum 0.134

Platz der Göttinger Sieben 2
37073 37073 Göttingen
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